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Umgang mit Leben

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Dieser Beitrag ist seit dem 16.04.2001 auf dieser Webseite.

Aus: Aposteltum – Mitteilungsblatt der Pfarrgemeinde St. Aposteln, Viernheim 1/2001 – Ostern.

Internet: www.sanktaposteln.de

 

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Über den Umgang mit dem menschlichen Leben

Ein Diskussionsbeitrag von Manfred van Treek

 

Das menschliche Leben ist in allen Zeiten durch den Menschen selbst massiv bedroht gewesen. Die Bedrohung des Lebens hat aber in den letzten Jahrzehnten eine besondere Qualität bekommen, welche zu höchster Sorge Anlass gibt.

In früheren Jahrhunderten ging die Bedrohung durch den Menschen von kriegerischen Auseinandersetzungen aus. Es mag viele erstaunen, wenn gesagt wird, dass heute die gefährlichste Bedrohung des menschlichen Lebens von einer Institution ausgeht, von der es am wenigsten erwartet würde: von der Medizin.

Die Medizin ist längst nicht mehr ein gesellschaftlicher Bereich, der allein dem Heilen und Helfen dient. Von der Medizin werden heute Dinge verlangt, die man früher zu verlangen nicht gewagt hätte.

Jahrhunderte und sogar Jahrtausende wussten alle Ärzte, dass Abtreibung falsch ist. Dieses Wissen war nicht nur biblisch begründet. Im Hippokratischen Eid können wir lesen: „Ich werde niemandem, auch nicht auf eine Bitte hin, ein tödliches Gift verabreichen oder auch nur dazu raten. Auch werde ich nie einer Frau ein Abtreibungsmittel geben.“ (Pschyrembel). Dieser Eid entstammte der antiken, heidnischen Philosophie. Hippokrates (460-375 v.Chr.), der berühmte griechische Arzt des Altertums, wusste: verstößt der Arzt gegen dieses Gesetz, dann verliert er seine Fähigkeit zu heilen.

Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, formulierte 1810 im § 1 seines Organon der Heilkunst: „Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man heilen nennt.“ Mit der Hervorhebung des Wortes „einziger“ warnte Hahnemann die Ärzte Dinge zu tun, die dem Wesen ihres Berufes widersprechen.

Heute töten Ärzte in einem Ausmaß, welches ihr Handeln zur häufigsten Todesursache werden lässt: 300.000 Abtreibungen pro Jahr in Deutschland! In der In-vitro-Fertilisation gehen unzählbare Menschenembryonen zugrunde. Ist es bei solcher Abstumpfung des Gewissens in der Gesellschaft verwunderlich, dass in England kürzlich ein Gesetz verabschiedet wurde, wonach Menschenembryonen gezüchtet werden dürfen, um aus ihnen „Heilmittel“ zu gewinnen? Schon vor mehreren Jahren wurde aus Russland bekannt, dass Frauen sich schwängern ließen, um ihren Fötus an die Kosmetikindustrie zu verkaufen.

In den Niederlanden dürfen Mediziner per Gesetz Menschen töten, deren Leben für nicht mehr lebenswert gehalten wird. Der verantwortungsbewusste Arzt wird sich Christoph Wilhelm Hufeland, dem Leibarzt Schillers und Goethes, anschließen, der 1806 schrieb, der Arzt „soll und darf nichts anderes tun, als Leben erhalten – ob es ein Glück oder ein Unglück sei, ob es Wert habe oder nicht, das geht ihn nichts an! Und maßt er sich einmal an, diese Rücksicht in sein Handeln aufzunehmen, so sind die Folgen unabsehbar und der Arzt wird zum gefährlichsten Menschen im Staat. Denn ist einmal die Linie überschritten, glaubt sich der Arzt einmal berechtigt, über den Wert eines Lebens zu entscheiden, so braucht es nur noch kleine Schritte, um den Unwert und folglich die Unnötigkeit eines Menschenlebens auch auf andere Fälle anzuwenden.“ (Katja Floßdorf; Ob Kinder oder keine ..., 2000, Miriam-Verlag, S. 37).

Große und weise Ärzte der Vergangenheit haben vor dem heutigen Szenario in bezug auf den Umgang mit dem menschlichen Leben gewarnt. Für Christen ist der bestehende Zustand ebenfalls untragbar.

In diesem Zusammenhang muss sich auch die Kirche in Deutschland fragen lassen, ob sie nicht durch ihre Teilnahme an der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung über 2 ½ Jahrzehnte hin die verderbliche Abtreibungsmentalität gefördert hat. Die Gesetzgebung hat es durch die Ausgestaltung des § 218 geschickt verstanden, auch solche gesellschaftlichen Bereiche in die Abtreibung einzubinden, die sie von ihrem Selbstverständnis her ablehnen, also die Kirchen. Im Eifer für die Rettung unschuldiger Kinder haben KirchenmitarbeiterInnen Beratungsscheine ausgestellt, die für straffreie Abtreibungen erforderlich sind. Man erhoffte sich von der Möglichkeit der Scheinvergabe, auch noch die Frauen zu erreichen und umzustimmen, die schon zu einer Abtreibung entschlossen waren. Doch damit hatte man sich meiner Meinung nach zu sehr auf den Status Quo eingelassen und das Unrecht des Abtreibungssystems unfreiwillig unterstützt.

Jetzt endlich haben sich die Hirten unserer Kirche im Einvernehmen mit dem Papst für ein bedingungsloses Zeugnis für das Leben entschieden. Die deutschen Bischöfe wollen durch die Umstrukturierung der Beratungstätigkeit eine Verstärkung der katholischen Beratung für das Leben erreichen. Dabei setzen sie berechtigterweise auf Prophylaxe, also Vorbeugung. Sie sollte aber nicht so praktiziert werden, wie es Bischof Averkamp aus Hamburg vorexerzierte, als er im Herbst letzten Jahres jeder Beratungsstelle seines Bistums einen „Verhütungskoffer“ von „Pro Familia“ schenkte. Verhütung durch Spiralen und Pillen hat nicht nur die Abtreibung immanent in sich, sondern fördert die Abtreibungsbereitschaft. Verhütung versagt jedes Jahr tausendfach und wird durch Abtreibung „nachgebessert“. Experten gehen von 30.000 ungewollten Schwangerschaften trotz Pilleneinnahme und 14.000 trotz Spirale pro Jahr in Deutschland aus. Verhütung betrachtet das Kind als Schaden, denn Schäden sollen verhütet werden. Somit entsteht eine kinderfeindliche Einstellung. Diese hat auch Folgen sowohl für die menschliche als auch die zwischenmenschliche Integrität. Erwähnt seien hier das Post-Abortion-Syndrom (seelische und körperliche Leiden der Frau nach Abtreibung) und die enorme Zunahme von Ehescheidungen durch die Unverbindlichkeit von Sexualität und Partnerschaft.

Ich wünschte mir hingegen, dass in der kirchlichen Beratung die partnerschaftliche und zuverlässige „Natürliche Empfängnisregelung“ (NER) gefördert würde. Sie ermöglicht es den Paaren, ihre Fruchtbarkeit bewusst zu erleben. Im Mitschwingen mit den natürlichen Rhythmen der Fruchtbarkeit tragen die Eheleute selbst die Verantwortung und müssen sie nicht einer fehleranfälligen technischen Methode überlassen. Die NER klammert das Kind als mögliche Folge der Sexualität nicht schon im Vorhinein aus. So entsteht eine größere Offenheit zum Kind, ja zum Leben insgesamt.

Wir Christen müssen uns einmischen, uns zum Leben bekennen und dabei unter Umständen gegen den Strom der Zeit schwimmen. Das ist nicht einfach, kann mit Ängsten und Schwierigkeiten verbunden sein. Aber haben wir nicht den zuverlässigsten Begleiter und Ratgeber an unserer Seite?

Manfred van Treek ist Arzt für Naturheilkunde und Umweltmedizin

 

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Stand: 14. Dezember 2012
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