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Das Purgieren

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Infoschrift - Praxis M. van Treek – Viernheim

Das Purgieren

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Purgieren heißt wörtlich übersetzt: reinigen. Seit alters her gehören purgierende Methoden in der Naturheilkunde zu den fundamentalsten Heilmethoden. Die klassische Medizin geht davon aus, dass Krankheit durch ein Zuviel an schlechten Säften im Organismus entsteht. Die klassischen Säfte der Medizin des HIPPOKRATES sind Blut, Schleim, schwarze Milz- und gelbe Lebergalle. Die antiken und mittelalterlichen Ärzte sahen die Ursache einer Krankheit im Zuviel oder Zuwenig des einen oder anderen Saftes und in der Verunreinigung der Säfte mit Schadstoffen. Die Störung der Säftezusammensetzung wird hervorgerufen durch Stoffwechselstörungen und Blockaden der natürlichen Ausleitung, z.B. durch chronische Verstopfung, Niereninsuffizienz, Abschwächung der Menstruationsblutung, Unfähigkeit zu Schwitzen usw. Bei Störungen des Stoffwechsels und bei Ausleitungsblockaden kommt es nach einer gewissen Zeit zu einer Verschlackung und Verschleimung des Gewebes. Man kann sich vorstellen, dass die inneren Poren, die Stoffwechselkanäle, „verstopfen". Dadurch verstärkt sich die Störung des Stoffaustausches im Gewebe, die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und die Ernährung der Organzellen werden weiter erschwert. Die Erkrankung schreitet somit fort. Eine weitere Ursache der Verschlackung des Organismus kommt sicherlich von außen. Hier ist an Umweltgifte zu denken, aber auch an Medikamente, z.B. künstliche Hormone, Schmerz-mittel und Fluoride als Zellgifte, fernerhin zahnärztliche Werkstoffe wie Amalgam.

Sehr wesentlich ist sicherlich die heutige Ernährung. Dem modernen Menschen scheint der Instinkt für das Richtige in der Lebensführung völlig verloren gegangen zu sein, weil er sich stark von der Natur „emanzipiert" hat. Vieles kann dem Magen, der Leber und dem Stoffwechsel einfach nicht bekommen. Beispielhaft seien hier Schokolade und Milchprodukte genannt. Die meisten Menschen dürften die Erfahrung gemacht haben, dass nach dem Genuss einer größeren Menge Schokolade starker Durst entsteht – ein Hinweis darauf, dass Schokolade das Blut zähflüssiger macht. Viele haben sicherlich auch bemerkt, wie die Kehle nach dem Genuss von Milch oder größeren Mengen eiweißreichen Käses verschleimt. Dies hängt mit dem tierischen Eiweiß in der Milch zusammen, welches schleimig und hoch viskös, also zähflüssig ist. Auch das Übermaß an Fleisch in der modernen Ernährung führt zur Verschleimung des Gewebes, zur Verstopfung der inneren Stoffwechselporen. Fleisch enthält zahlreiche Schleimstoffe, insbesondere im Schweinefleisch sind dem Menschen höchst unzuträgliche Schleimsubstanzen enthalten. Die heilige Hildegard hat vor über 800 Jahren empfohlen, dass Rindfleisch vor der Zubereitung mehrere Stunden in Wasser aufbewahrt wird, damit die Schleimstoffe herausquellen können.

Wenn beim Patienten nun im Zusammenhang mit einer akuten Erkrankung Durchfall auftritt, dann ist dies im Sinne der traditionellen Medizin der schlechten Säfte als sehr gut zu bewerten, denn der Organismus entledigt sich der krankmachenden Stoffe durch einen Selbstheilungsvorgang. Wird dieser Vorgang nun medizinisch durch ein stopfendes Mittel abgebrochen, dann verschlimmert sich die Krankheit meistens wieder, je nachdem, worum es sich gehandelt hatte. Der aufmerksam beobachtende Arzt stellt immer wieder fest, dass Durchfall Fieber senkt. Es ist überliefert, dass der alte griechische Arzt GALEN durch Purgieren folgende Krankheiten heilte: Epilepsie, Hautkrankheiten, beginnender Brustkrebs, massive Beinödeme, Kopfschmerzen, Melancholie und andere Seelenstörungen, Schwindelanfälle, Ischias und andere Schmerzzustände. Woran erkennt man nun, dass der Patient einer Abführung bedarf? Es sind dies folgende Zeichen: übler Geschmack im Munde, besonders bitterer Geschmack am Morgen, belegte Zunge, Blähungen, unangenehmes Aufstoßen, Mangel an Esslust, Brechreiz, Erbrechen, Schwere in der Magengegend.

Es ist überhaupt nicht gut, wenn die moderne Medizin bei Übelkeit Medikamente wie MCP, Paspertin oder Vomex A gibt, denn auf diese Weise fällt man der Selbstheilung in den Rücken. Nicht selten kann der naturheilkundlich orientierte Arzt erleben, dass gerade Kinder mit Bronchitis vorausgehend mehrere Tage Verstopfung hatten. Als dann Übelkeit mit Erbrechen auftrat, weil der Organismus sich des schlechten Schleimes über den Magen entledigen wollte, wurde dies durch eines der o.g. Medikamente unterdrückt. Die Bronchitis reagierte immer weniger auf die verschiedensten Therapieversuche. Oft gehen solchen Zuständen mehrmalige Antibiotikagaben voraus, welche eine vermeintliche Bronchitis behandeln sollten. Bei diesen Bronchitiden handelte es sich aber lediglich um Bronchialverschleimungen, um einen Versuch des Organismus, die allgemeine Verschleimung über die Bronchialverschleimung zu beseitigen. Hält der Arzt diese versuchte Selbstentgiftung für eine Krankheit, z.B. für eine Bronchitis (was gar nicht sein kann, wenn nicht gleichzeitig Fieber auftritt !!), dann gibt er Antibiotika. Dadurch wird die natürliche Darmflora gestört. Die Antibiose kann sich auf den Darm so auswirken, dass eine Verstopfung hervorgerufen wird, welche die ganze Situation nur noch verschlimmert.

Wir sehen anhand dieser leicht nachvollziehbaren ätiologischen Deutung (Ätiologie = Lehre von der Entstehung und Entwicklung der Krankheiten), dass die humorale Sichtweise der antiken und mittelalterlichen Medizin nicht nur nicht falsch, sondern sogar höchst richtig und für das Verständnis der Ätiologie wertvoll ist.

Mit welchen Methoden kann aber nun der kranke Mensch unterstützt werden, damit eine Reinigung des Stoffwechsels durch Purgieren erfolgt, wenn diese nicht über natürliche Selbstheilung abläuft? Zur Erinnerung: Oben wurde gesagt, dass „Purgieren" wörtliche übersetzt „Reinigen" heißt.

Bei den purgierenden Methoden handelt es sich nun im wesentlichen durch das Auslösen von Durchfällen und das Hervorrufen von Erbrechen. Wir sprechen vom Purgieren nach unten und vom Purgieren nach oben.

 

Purgieren über den Darm

Bei den Durchfall auslösenden Mitteln unterscheiden wir kühlende und erhitzende Laxanzien (= Abführmittel). Beispielhaft sei das Glaubersalz als wichtigstes kühlendes Abführmittel genannt. Sennesblätter gehören zu den erhitzenden Abführmitteln, welche eine Blutstauung im Darm bewirken und auf den Gesamtstoffwechsel reizend und erwärmend wirken. Ein weiteres sehr wichtiges erhitzendes Abführmittel ist das Gottesgnadenkraut, welches starken Blutandrang im Becken und Genitalbereich hervorruft. Gottesgnadenkraut wird bei Frauenkrankheiten infolge von zu schwacher Monatsblutung, wie z.B. nach längerer Antibabypillenbenutzung, eingesetzt. Alle Durchfall auslösenden pflanzlichen Drogen können auch als Einläufe angewandt werden.

 

Purgieren durch Erbrechen

Eine ausführlichere Beschreibung ist für das Brechverfahren erforderlich. Das Brechverfahren ist so wirkungsvoll, dass es sich lohnt, es bei jedem Kranken anzuwenden, wo es angezeigt ist. Bei den meisten Menschen besteht jedoch eine innere Hemmung, ein Ekel gegen Erbrechen. Somit lehnen viele diese großartige Möglichkeit der Naturheilkunde ab, so nach dem Motto: „Also Herr Doktor, das mach ich mal, wenn’s mir wieder besser geht!" Nun, dann braucht man es auch nicht mehr zu machen und hoffentlich ist die Besserung für den Patienten zufrieden stellend. Die forcierte Besserung durch Entgiftung über die Magenschleimhaut dürfte sehr viel effektiver sein.

Schauen wir uns zunächst an, welche Aussagen von den anti-en Ärzten überliefert wurden: so sagt HIPPOKRATES, dass Schmerzen über dem Zwerchfell mit einer Purgation nach oben (Erbrechen) behandelt werden sollen. Schmerzen unterhalb des Zwerchfells bedürfen einer Purgation nach unten. Auch viele Erkrankungen des Magens, der Gallenwege und der Leber wurden von HIPPOKRATES durch ein Brechmittel behandelt. Später verlegte man die Grenze vom Zwerchfell zum Nabel. Psychosen, Hautkrankheiten (Nesselsucht), manchmal auch Lendenwirbelsäulenschmerzen wurden durch Brechmittel behandelt. Der ganze Organismus wird dabei erschüttert und umgestimmt. Die alten Ägypter mussten, um sich vor Krankheiten zu schützen, zu gewissen Zeiten fasten, abführen und erbrechen.

Der altindische Arzt SUSRATA soll gesagt haben: „Der Mensch, welcher regelmäßig erbricht, wird niemals von Katarrh, Verschleimung, Heiserkeit, Schlafsucht, Mattigkeit, Mundgeruch, Vergiftungserscheinungen, Schleimfluss, Durchfall und Säfteverderbnis befallen."

Unter anderen „Anfangsgründen", aus welchen sich Krankheiten entwickeln, nennt HIPPOKRATES: „Wenn der Mensch nicht entleert ist." Aus der Sicht der hippokratischen Säftelehre kommen viele Krankheiten, auch Entzündungen und Krebs, durch eine Zuviel an Nahrungsstoffen und Körpermaterial überhaupt auf.

Purgieren nach oben und unten ist nicht bloß Entleeren des Magendarmkanals, sondern es handelt sich um Verfahren zur Entziehung überflüssiger oder schädlicher Körpersäfte. Diese Schadstoffe befinden sich unmittelbar vor dem Purgieren noch gar nicht im Magen oder Darm, sondern sie befinden sich noch im Blut, in der Lymphe oder im Gewebe. Erst die Aktivierung der Schleimdrüsen der Verdauungsorgane durch die Purgier-mittel befördert die Schadstoffe in den Magendarmkanal.

HIPPOKRATES ließ auch Gesunde regelmäßig erbrechen, wenn sie ansonsten nicht genug Gelegenheit zu körperlichen Übungen hatten. In den Aphorismen schreibt er: „Appetitlosigkeit, Magenkrampf, Schwarzwerden vor den Augen und bitterer Geschmack im Munde zeigen an, dass eine Purgation nach oben Not tut." Gegen Fettsucht und Vollblütigkeit empfiehlt HIPPOKRATES: Leibesübungen, Schwitzbäder, tagelang nur Wasser trinken und Erbrechen. „Man erbreche auch, und zwar zunächst alle zwei Tage, später in längeren Zwischenräumen, damit der Körper durch das Ansetzen reinen Fleisches konsistent werde."

GALEN schrieb: „Das Erbrechen bringt viele Vorteile mit sich. Es reinigt Milz und Leber, leert den Schleim aus, erleichtert den eingenommenen Kopf und macht den Habitus des ganzen Körpers beweglicher."

Der Engländer SYDENHAM war der Auffassung, dass Brech-eigung eine Indikation zur Verabreichung eines Brechmittels ist. Desweiteren gab er das Brechmittel am Beginn von Infek-ionskrankheiten, bei welchen gastrische Symptome bestehen: „Dysenterie, Masern, Wechselfieber." ASCHNER zitiert SYDENHAM: „Anschaulich schildert SYDENHAM die üblen Folgen des am Anfang von Infektionskrankheiten unterlassenen Brechmittels, obgleich Brechneigung bestanden hatte. Er spricht geradezu von einer „Tragödie", welche sich abspielt, wenn dieser Kunstfehler begangen wird."

Der Brechakt ist der Natur abgeschaut. ASCHNER: „Viel zahlreicher, als man gewöhnlich glaubt, sind die Gelegenheiten, wo der Organismus durch Übelkeit, Brechreiz, Aufstoßen, Völlegefühl im Oberbauch, bitteren Geschmack im Mund, belegte Zunge, eingenommenen Kopf und dergleichen andeutet, dass im Magen und Duodenum (= Zwölffingerdarm) einschließlich der Gallenwege etwas nicht in Ordnung ist." HIPPOKRATES: „Wohin es drängt, dahin bewege es!"

 

Allgemeine Indikationen und Wirkungsweisen des Brechverfahrens:

Wenn Ausleerung des Magens und Zwölffingerdarmes erforderlich ist (Vergiftungen). Auch Gallengänge, Gallenblase und sogar die Leber werden lokal mechanisch entleert.

Reizwirkung auf den Plexus solaris (Sonnengeflecht) des Bauchnervensystems. Dabei wird die oft verloren gegangene Spannung der Magenwandung (Magentonus) wiederhergestellt; abnorme Sekretionsverhältnisse des Magens werden geregelt.

Allgemein exzitierende (aufregende) Wirkung auf Lebensnerven, Herz und Lunge. Der Brechakt appelliert an den Selbsterhaltungstrieb (Übelkeit wie zum Sterben!). Er ist ein starkes Stimulans für das vegetative Nervensystem. Er wirkt anregend auf die Tätigkeit des Herzens, der Gefäße und der Lunge bei Erstickungszuständen, Lungenödem und Lungenembolie.

Alle Sekretionen und Exkretionen wie Schweiß, Speichel, Bronchialschleim, Harn und Stuhl werden gefördert.

Es hat eine ableitende Wirkung auf vom Magen weiter entfernte Organe wie Kopf, Herz und Lungen. Im Bauchraum wird ein Gegenreiz gesetzt, welcher eher krampfstillend auf entfernte Organe wirkt. So wirkt das Brechen positiv auf Asthma, Bronchialmuskelkrampf, Epilepsie, Keuchhusten, Gefäßspasmen, Krampf der Koronararterien.

Es löst Körperflüssigkeiten auf. Bei längerem Gebrauch auch Körpergewebe und Ablagerungen. Auf das lymphatische System besteht eine stimulierende Wirkung. Fettsucht kann damit behandelt werden. Organvergrößerungen und gutartige Tumoren wie Schilddrüsenstruma, Milz- und Lebertumoren, Gebärmuttermyome, chronische Gebärmutterentzündungen, Prostatavergrößerung und Lymphknotenschwellungen können unter Mithilfe des Brechmittels behandelt werden. Man hat manchmal den Eindruck, dass die umstimmende Brechmittelwirkung das Selbstheilungsbestreben erst einleitet und ins Rollen bringt. Dies ist verständlich, wenn die vielfachen reflektorischen und funktionellen Verbindungen des Magens mit dem Gesamtorganismus bedacht werden.

 

Spezielle Indikationen des Brechverfahrens

Krankheiten im Bereich des Kopfes. Das Brechverfahren kann bei Kopfschmerzen, Migräne, Apoplexie, Zahnschmerzen und Neuralgien eingesetzt werden.

Krankheiten des Mundes und des Halses. Erkrankungen des Mundes hängen vom Magen ab und umgekehrt. So kann das Brechverfahren erfolgreich bei Aphten und anderen Geschwüren in der Mundhöhle eingesetzt werden.

Angina, Pharyngitis und Tonsillitis. Es bestehen deutliche Wechselwirkungen zwischen Halsentzündungen und Magenstörungen. Die moderne spezialistische und bakteriologische Betrachtungsweise hat dies leider vergessen lassen. In der Praxis fallen immer wieder Kinder auf, die von einer Angina bzw. Mandelentzündung mit antibiotischen Zwischenspielen in die nächste Angina kommen. Eine einzige Brechkur kann diese Kinder von diesem nicht enden wollenden Wechselspiel zwischen Angina und Antibiotikum befreien.

Schilddrüsenvergrößerung. Eine wöchentliche Brechkur mit Brechweinstein begünstigt nach ASCHNER die Verkleinerung der Schilddrüse.

Lungenkrankheiten. Bronchialverschleimung. Brechweinstein und Ipecacuanha (= südamerikanische Brechwurzel) sind die stärksten Expektorantien (Schleimverflüssiger bzw. Auswurf fördernde Mittel). Beim Brechakt wird auch die Sekretion in den Schleimhäuten der Atmungsorgane verstärkt. Dadurch wirkt das Erbrechen auch reinigend und umstimmend auf die Lunge.

Asthma bronchiale. Ein- bis zweimalige Anwendung pro Woche, wenn die sekundären Auswirkungen Emphysem und Herzmuskelstörungen noch nicht so ausgeprägt sind.

Chronische Bronchitis. Die Wirkung und Begründung ist ähnlich wie bei Asthma. Bronchitis wird durch eine Verdauungsstörung unterhalten. Man spricht dabei auch von „Magenhusten".

Lungenödem. Beim Lungenödem kann das Brechen nach vorangegangenem Aderlass lebensrettend sein.

Keuchhusten. Vorbeugend kann das Brechmittel bei einem Keuchhustenfall im Umfeld eingesetzt werden. Bei bereits eingetretener Krankheit mildert und kürzt es den Verlauf ab. Es wirkt krampfstillend, umstimmend und expektorierend (= Auswurf fördernd). Es werden neben dem Schleim auch die Krankheitserreger aus Rachen und Luftwegen herausbefördert. Man kann es bei Verdacht auf Keuchhusten oder Hämophilus influenza geben, es wird sich in jedem Fall positiv auswirken. Im Grunde kann jede Husten verursachende aber noch unklare Infektion der oberen Luftwege ohne Antibiotika und mit Brech-mittel vorteilhaft behandelt werden.

Lungenentzündung. Bei der Lungenentzündung muss die Ursache herausgefunden werden. Die antiken und mittelalterlichen Ärzte hatten keine Probleme damit, die Ursache einer Lungenentzündung entweder in der Vollblütigkeit oder in einer Magendarmstörung oder in der „unterdrückten Hautatmung" zu sehen. Liegt die Ursache der Lungenentzündung im Magendarmbereich, dann spricht man von einer gastrischen Lungenentzündung (gastrisch = vom Magen kommend). Symptome sind: Auftreibung der Magengegend, belegte Zunge, Aufstoßen, bitterer Geschmack, Völlegefühl. Das Brechmittel wirkt am Anfang und in fortgeschrittenen, gefahrdrohenden Stadien erlösend und lebensrettend.

Herzkrankheiten. Angina pectoris. HUFELAND sagte: „dass das Brechmittel dabei unter allen ihm bekannten Hilfsmitteln das größte, ja oft das einzige Rettungsmittel des Lebens sei, ...."

Magenkrankheiten. Mit dem gastritischen Zustand ist ein ständiges Missempfinden im Magenbereich gemeint. Der Kranke spürt chronisch seinen Magen, entweder als Schmerz oder einfach nur als Druck. Es handelt sich dabei um den Zustand, den die Schulmedizin mit „chronischer Gastritits" umschreibt. Oft findet sich bei der Gastroskopie (= Sichtung des Mageninneren mittels eines Schlauches aus Fiberglas) und der dabei entnommenen Gewebsprobe der heute so berühmte und gefürchtete Helicobacter-pylori-Keim, welcher die Ursache von Gastritis und Magengeschwür sein soll. Dieser Keim ist sicherlich nicht die einzige Ursache der genannten Erkrankungen. Solche Patienten nehmen üblicherweise bereits jahrelang aluminiumhaltige Antacida (= Magensäure bindende Mittel) ein. Aluminium ist aber ein Nervengift, und bei diesen Patienten entsteht nach Jahren des Antacidagebrauches irgendeine Nervenstörung. Der so nervenkrank gewordene Patient wird der Neurologie oder Psychiatrie zugeführt, nicht selten unter Fortsetzung der Antacidabehandlung.

Für den gastritischen Zustand ist nicht nur Säureüberschuss verantwortlich, sondern auch die Untätigkeit, die Atonie (Spannungsverlust) des Magens. Diese Magenschlaffheit kann von falscher Ernährung oder falschen Lebensgewohnheiten rühren mit Erweiterung des Magens, Völlegefühl, Magenplätschern und zu langem Verweilen der Speisen im Magen. Das Brechmittel verschafft normalen Tonus und normale Sekretionsverhältnisse durch Umstimmung des Nervensystems und Wegschaffung chemischer Schädlichkeiten. Bei jeder Krankheit sollte der Arzt an eine mögliche Mitbeteiligung des Magens denken.

Bei blutenden Magengeschwüren und Magenkrebs ist das Brechmittel verboten.

Gallenleiden. Wenn bei Gallensteinen und Gallenblasenentzündung Brechneigung auftritt, dann ist dies bereits ein Hinweis der Natur auf die richtige Therapie.

Infektionskrankheiten. Teilweise wurden diese bereits oben unter den Überschriften Angina, Sinusitis und Bronchitis abgehandelt. Im Folgenden geht es noch einmal um den allgemeien Wert der Brechkur bei Infektionen. Eine Infektion kann durch das Brechverfahren bereits im Beginn abgefangen werden. Dies ist besonders dann sinnvoll und empfehlenswert, wenn die Krankheit bei ihrem Beginn mit Übelkeit einhergeht.

Der geniale HUFELAND lehrte: „Wer bei einem Kranken, der im Anfang des Fiebers Übligkeit oder wirkliches Erbrechen, gelb oder braun belegte Zunge, üblen Geschmack hat, das Brech-mittel unterlässt, der versündigt sich schwer an der Natur, und der arme Kranke muss diesen Fehler schwer büßen. So wichtig ist es, den Augenblick zu benutzen, wo die Natur eine Ausleerung verlangt und dazu bereit ist. ... Ja, ein in solchen Fällen unterlassenes Brechmittel ist oft gar nicht wieder gutzumachen, so wie das rechtzeitig angewandte Brechmittel oft die ganze Krankheit in der Entstehung ersticken kann, ebenso gewiss kann die Unterlassung desselben die Krankheit langwierig, schwer, ja zuweilen unheilbar machen ... Man glaube doch nicht, dass man durch Purgiermittel (gemeint ist das Purgieren über den Darm) das Brechmittel ersetzen kann."

Durch Erbrechen wird der Körper eher von schädlichen Stoffen entlastet, als wenn diese erst die Passage durch den ganzen Darm durchmachen müssen; auf dem Weg durch den Darm werden die Krankheitsstoffe und Stoffwechselgifte teilweise wieder ins Blut rückresorbiert.

Hautkrankheiten. Viele Hautkrankheiten entstehen durch Verdauungsstörungen, insbesondere chronische Magenleiden. Störungen des Stoffwechsels und der Hautatmung können Hautkrankheiten erzeugen. Die Haut wird in ihrer gesamten Tätigkeit durch Brechmittel verbessert. Der folgende Fall ereignete sich vor einigen Jahren: eine etwa vierzig Jahre alte Frau bekam plötzlich eine schmetterlingsförmige Rötung im gesamten Gesichtsbereich. Es wurde ihr ein Lupus erythematodes disseminatus diagnostiziert, und sie hatte bereits einen Termin in der Hautklinik der Universät zur Einleitung einer langfristigen Cortisonbehandlung, welche die einzige Therapie bei diesem Leiden sein sollte. Vorher wollte sie noch schnell beim Naturarzt Rat holen. Außerdem wollte sie eine Fastenkur machen und erhielt eine konzentrierte Brechweinsteinlösung verschrieben, welche im Verhältnis 1: 40 zur Herstellung eines Appetitzüglers verdünnt wird. Die Anleitung zur Verdünnung hatte die Patientin nicht beachtet und nahm die Lösung konzentriert ein. Sie hatte daraufhin so sehr erbrochen wie nie in ihrem Leben vorher und wie sie es sich auch nie wieder wünschen würde. Das schmetterlingsförmige Gesichtserythem war jedenfalls am Folgetag völlig verschwunden und ist in den folgenden neun Jahren auch nicht mehr aufgetaucht. Die Cortisonbehandlung konnte abgesagt werden.

 

Wie läuft die Brechkur praktisch ab?

Der erwachsene Patient sollte etwa zwanzig Minuten vor Einnahme des Brechmittels eine kleine Mahlzeit einnehmen: einen Teller Spagetthi oder zwei Scheiben Brot ohne Belag. Dazu trinkt er viel: zwei bis drei große Tassen Kräuter- oder Früchtetee. Nach zwanzig Minuten ist der größte Teil der getrunkenen Flüssigkeit in die Blutbahnen resorbiert worden. Nun trinkt er zwei Esslöffel Ipecacuanhasirup (südamerikanische Brechwurzel), der eine kleinerbsgroße Prise Brechweinsteinpulver zugemischt wird. Der Sirup ist auf Himbeersaftbasis und wird mit zwei Esslöffeln Fruchtsaft verdünnt. Das Trinken erfolgt am besten in einem Zug mit geschlossenen Augen und ohne an der Flüssigkeit zu riechen. Dann folgt noch ein weiteres Glas Tee oder Fruchtsaft.

Jetzt muss der Brechkandidat nur noch warten und sich in der Nähe der Toilette aufhalten oder einen Eimer griffbereit haben.

Nach zwanzig Minuten (manchmal kann man die Uhr danach stellen) erfolgt ein erstes mehrmaliges Erbrechen zur Entleerung des Mageninhaltes. In ca. zwanzigminütigen Abständen folgen dann weitere Erbrechensschwalle, welche sehr schleimig sind und auch äußerst übel riechen können (Entgiftungswirkung). Etwa nach zwei Stunden kommt der letzte Brechakt mit Entleerung von bitter schmeckender, gelber Galle.

Im Anschluss an das Galleausspucken wird der Patient sehr müde und will nur noch schlafen. Die Brechkur sollte vorteilhafterweise am frühen Abend begonnen werden. Möglicherweise tritt auch noch Durchfall auf, besonders dann, wenn das Purgieren nach oben zu schwach war. Es kann sogar sein, dass überhaupt kein Erbrechen auftritt (ca. 10 % der Fälle), dann ist der Durchfall unausweichlich, denn irgendwo müssen die mobilisierten Gifte und Schleime ja hin. Der Patient muss wissen, dass die Übelkeit in diesem Falle stärker und länger ist, als im Falle des leichten Erbrechens. Die Brechkur kann in einem solchen Fall nach einigen Tagen wiederholt werden.

Bei Kindern gibt man entsprechend des Körpergewichtes weniger Ipecacuanhasirup. Bei einem zehn Kilo schweren einjährigen Kind reichen eineinhalb Teelöffel. Ein dreißig Kilo schweres zehnjähriges Kind bekommt einen Esslöffel. Bei Kindern gibt man auch kein Brechweinsteinpulver hinzu. Die von Kindern zu trinkende Menge ist ebenfalls entsprechend ihrem Trinkvermögen geringer als bei Erwachsenen.

 

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Anhang

Historische Ärzte mit Bezug auf die purgierenden Verfahren:

Hippokrates, ca. 460 – 370 v. Chr., griechischer Arzt.

Galen, ca. 129 – 199 v. Chr., römischer Arzt griechischer Herkunft.

Sydenham, 1624 – 1689, englischer Arzt in London.

Hufeland, Christoph Wilhelm, 1762 – 1836, deutscher Arzt in Jena und Berlin, königlicher Leibarzt.

Aschner, Bernhard, 1883 – 1960, österreichischer Arzt, Gynäkologe in Halle und Wien. Auswanderung in die USA in den dreißiger Jahren. Verband hippokratische Medizin mit moderner Diagnostik und Technik.

 

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Stand: 13. März 2009