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Post-Abortion

[ Post-Abortion ] Schwanger? ]

 

Dieser Beitrag ist seit dem 31.10.2004 auf dieser Webseite

 

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Post-Abortion-Syndrom

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Folgende Anfrage erreichte die Redaktion Medizinkritik am 29.10.2004:

 

Guten Abend,

 

mir geht es seit einiger Zeit richtig schlecht, Übelkeit, Schwindel, sehr starke Launen, Aggressionen, Weinkrämpfe, Todesängste und einiges mehr.

War darauf hin bei meiner Ärztin, die mir Atosil, Fluoxetin und Oxazepam verschrieben hat, davon nehme ich aber nur Atosil nach Bedarf.

Mein Gefühl sagt mir, dass ich einen Hormonmangel habe, und ich machte beim Frauenarzt einen Test der die Werte von 35 pg/ml und Progesteron von 4.50 ergab.

Seit sechs Tagen nehme ich hochdosierten Rotklee und ab den 14. Tag soll ich Utrogest nehmen. Heute am fünften Tag meiner Periode gehts mir wieder schlecht, und ich wende mich in meiner Hilflosigkeit an Sie. Meine Frage ist, ob dies der richtige Weg ist, und ob Sie wissen wann Rotklee greift?

  

Zu meiner Person: bin 43 Jahre alt, 2 Kinder, 24 und 22 Jahre alt, 2 Abbrüche, Pille kurzzeitig genommen, mit 31 Jahren sterilisiert, seit meinem 37. Lebensjahr immer wieder Angststörungen.

 

Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar. 

 

Herzlichst

 

Frau T.

 

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Antwort der Redaktion am 30.10.2004:

 

Liebe Frau T.

 

Vielen Dank für Ihre vertrauensvolle Anfrage. Ebenso danke ich für Ihre Offenheit in Bezug auf Ihre Vorgeschichte, und dass Sie die Abtreibungen nicht unterschlagen haben.

 

Ihre Symptome sind sehr typisch für das „Post-Abortion-Syndrom“, also die Befindensstörungen und Krankheiten nach der Abtreibung. Ganz besonders sind es die Todesängste, die Weinkrämpfe und das Gefühl der Hilflosigkeit, die hier einen Zusammenhang wahrscheinlich machen. Die Frau in der Frühschwangerschaft geht ja eine seelische Verbindung mit dem Kind ein, ob sie das Kind annimmt oder ablehnt, ob es ihr bewusst ist oder nicht. Und diese seelische Symbiose war bei Ihnen viermal vorhanden und sie ist zwei Mal jäh abgebrochen worden.

 

In der Anonymität des Internets ist es zum Glück leichter darüber zu sprechen als in der Praxis, wo Patient(in) und Therapeut(in) unter vier Augen zusammen sitzen. Bei meinen weiblichen Patienten habe ich bei solchen wie den von Ihnen angegebenen Beschwerden oft den Eindruck, dass ein Post-Abortion-Syndrom vorliegt, aber diesbezüglich ist in der Vorgeschichte nichts angegeben, trotz meiner obligatorischen Frage nach „weiteren Schwangerschaften“. Gelegentlich erfahre ich dann Jahre später von den Patientinnen, dass doch einmal eine Abtreibung stattgefunden hatte. Die Frau hatte sich schlicht geschämt, dies anzugeben, vielleicht weil sie dachte, dass ich als das Leben unbedingt bejahender Christ sie dann verurteilen würde.

 

Das ist natürlich eine Fehleinschätzung: Gerade religiös bewusste Menschen wissen, dass sie niemanden verurteilen dürfen, und sie wissen auch von den Beschwernissen im Leben der Menschen, die zu solchen tragischen Entscheidungen führen. Das bedeutet nicht, dass ich Respekt vor einer solchen Entscheidung habe, ich leide eher mit.

 

Allemal besser als die Abtreibung ist es das Kind zu bekommen und großzuziehen. Keine Frau treibt gerne ab! Und wenn ein Kind nicht verantwortet werden kann, dann wäre es auch besser, erst gar nicht schwanger zu werden. Aber wie dies verhindern? Verhütung versagt jährlich zehntausendfach. Viele Frauen, die die Verhinderung der Schwangerschaft nur durch Verhütung kennen, hören irgendwann mit der Verhütung auf (Pillenmüdigkeit) und wundern sich dann, dass sie schwanger werden. Und die Schulen sind nicht in der Lage, den jungen Leuten einen verantwortlichen Umgang mit der Fruchtbarkeit im Sinne der Natürlichen Empfängnisregelung zu lehren. Und BRAVO macht so was auch nicht.

 

Was können Sie jetzt machen? Was geschehen ist, ist ja geschehen.

 

Zunächst möchte ich Sie darin bestärken, Oxazepam tatsächlich nicht zu nehmen. Es würde Ihnen einige Tage oder Wochen wunderbar „helfen“, als Benzodiazepin hat es aber ein enormes Abhängigkeitspotential.

 

Was der Frauenarzt bei Ihnen angeordnet hat, kann ich nur unterstützen. Progesteron (Utrogest) in der zweiten Zyklushälfte und Rotklee als „Östrogenpflanze“ in der ersten Zyklushälfte. Beschäftigen Sie sich doch mal mit dem „Persönlichen Zyklus der Frau“ (Buch von Professor Rötzer, Herder-Verlag). Dort können Sie lernen, dass die erste Zyklusphase durch Östrogen bestimmt ist (Follikelreifung, im Follikel ist das Ei) und die zweite Zyklusphase durch Progesteron = Gelbkörperhormon (der Follikel wandelt sich nach dem Eisprung in den Gelbkörper um).

 

Wie sollen Sie das Utrogest denn anwenden? Als Kapsel einnehmen oder intravaginal. Fragen Sie bitte Ihren Frauenarzt, ob Sie die Kapsel intravaginal einführen sollen. Dann werden die 100 mg Progesteron zu nahezu 100 % wirksam. Als Kapsel geschluckt und über den Darm resorbiert muss dieses naturidentische Hormon noch den Weg über die Leber gehen, belastet die Leber und wird bereits bei der ersten Leberpassage zu 80 bis 85 % inaktiviert, so dass nur 15 bis 20 % an den hormonabhängigen Organen ankommen. Alternativ wäre auch eine transdermale Anwendung mittels einer Progesteronsalbe möglich.

 

Neben dem o.a. Buch von Professor Rötzer empfehle ich auch noch gerne das „Frauenheilbuch“ von Heide Fischer aus dem Nymphenburger Verlag.

 

Ich möchte noch einige Gedanken zum Zusammenhang mit den Abtreibungen äußern:

 

Die angegebenen Beschwerden haben Sie erst seit 6 Jahren. In den Jahren nach den Abtreibungen hatten Sie solche Beschwerden nicht gehabt. Ja, Sie haben sich nach den Abtreibungen vielleicht sogar gut gefühlt und gedacht, dass Sie und Ihr Mann das Problem der ungewünschten Schwangerschaften auf adäquate und zeitgemäße Weise gelöst haben. Somit ist es möglicherweise auch schwer, jetzt den Zusammenhang zu sehen.

 

Für das Post-Abortion-Syndrom ist es typisch, dass seinem Auftreten erst mal Jahre der vermeintlichen Ruhe vorausgehen. Der Kratzer auf der Seelenplatte mit dem Titel „Kind“ ist da. Diese Platte wird im Unterbewusstsein abgelegt. Wenn die Frau dann in der Prämenopause ist, meldet sich dieser unbewusste Lebensbereich bzw. dieses destruktive Lebensereignis wieder. Das hängt wahrscheinlich mit den Hormonveränderungen zusammen. Frauen ab 35 Jahren haben oft schon keine Eisprünge mehr und kommen somit verfrüht in die Wechseljahre. Die Sterilisation bewirkt zusätzlich eine Tendenz der verfrühten Wechseljahre. Somit besteht bei prämenopausalen Frauen ein Progesteronmangel und damit eine Neigung zur Depression und zur pathologischen Angst. Progesteron ist ein natürliches Antidepressivum. Sie hatten nun Glück, dass Ihr Frauenarzt daran gedacht hat und Ihnen Progesteron verordnet hat.

 

Noch ein psychologischer Aspekt: Bei Frauen nach Abtreibung besteht ein unbewusster  „Wiedergutmachungswunsch“. Wiedergutmachung durch eine weitere Schwangerschaft, die ausgetragen wird, wobei einem Kind das Leben geschenkt wird und dieses Kind steht dann für das Abgetriebene. Oft wird dies tatsächlich so praktiziert und oft geht es Frauen, die nach einer Abtreibung noch eine kinderreiche Familie gegründet haben, richtig gut. Sie haben das Trauma ihrer Abtreibung auf diese Weise verarbeitet. Eine Frau zwischen 40 und 50 weiß allerdings, dass eine Schwangerschaft immer unwahrscheinlicher wird – bei Sterilisation ist sowieso nicht mehr daran zu denken – und aufgrund der psychohormonalen Relationen im Körper-Seele-Geist-Gefüge „merkt“ das Unterbewusstsein: keine Eisprünge, keine Schwangerschaft, kein Kind, keine Wiedergutmachung mehr möglich! – Und dann kommt die Panik.

 

Ich möchte Ihnen empfehlen, die begonnene Behandlung auf hormonaler Ebene auf jeden Fall fortzusetzen und dies auch langfristig einige Jahre. Progesteron ist ein naturidentisches Hormon, und es ist überhaupt nicht vergleichbar mit den gesundheitsschädigenden Kunsthormonen der Antibabypille oder der früher von den Gynäkologen favorisierten Wechseljahrespillen. Diese sollten Sie aber meiden. Lieber etwas länger Geduld haben, bis Progesteron und Rotklee voll wirksam werden.

 

Den seelisch-geistigen Aspekt der Abtreibungen sollten Sie mit Hilfe eines ganzheitlich und möglicherweise auch christlich arbeitenden Psychotherapeuten verarbeiten.

 

Im September 2004 hatte in Wien ein Kongress internationaler Abtreibungs-Professionals stattgefunden. Dort hatte eine Aktivistin aus Kanada für Begriffsveränderungen plädiert: „Wesentlich sei es, die Abtreibung als moralisch gute und grundsätzlich positive Entscheidung zu sehen. Es sei nicht genug, sie zu akzeptieren, sondern sie müsse als guter Ausgang einer Schwangerschaft betrachtet werden.“ (Aktion Leben, Rundbrief 5/2004).

 

Eine solche Verarbeitung, wie sie sich diese Pro-Abtreibungs-Aktivistin wünscht, kann nur zu weiterer Verwirrung führen.

 

Dem möchte ich abschließend ein Zitat Johannes Pauls II. aus seiner Enzyklika Evangelium Vitae aus dem Jahre 1995 gegenüberstellen: „Einen besonderen Gedanken möchte ich euch, den Frauen vorbehalten, die sich für eine Abtreibung entschieden haben. Die Kirche weiß, wie viele Bedingtheiten auf eure Entscheidung Einfluss genommen habe können, und sie bezweifelt nicht, dass es sich in vielen Fällen um eine leidvolle, vielleicht dramatische Entscheidung gehandelt hat. Die Wunde in eurem Herzen ist wahrscheinlich noch nicht vernarbt. Was geschehen ist, war und bleibt in der Tat zutiefst Unrecht. Lasst euch jedoch nicht von Mutlosigkeit ergreifen und gebt die Hoffnung nicht auf. Sucht vielmehr das Geschehene zu verstehen und interpretiert es in seiner Wahrheit. Falls ihr es noch nicht getan habt, öffnet euch voll Demut und Vertrauen der Reue: der Vater allen Erbarmens wartet auf euch, um euch im Sakrament der Versöhnung seine Vergebung und seinen Frieden anzubieten. Ihr werdet merken, dass nichts verloren ist, und werdet auch euer Kind um Vergebung bitten können, das jetzt im Herrn lebt.“ (Abschnitt 99).

 

Der Papst sagt hier klar und eindeutig: Ihre abgetriebenen Kinder sind nicht tot, sie leben!

 

Ich wünsche Ihnen hilfsbereite und freundliche Seelsorger und/oder Therapeutinnen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

M. van Treek

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Stand: 14. Dezember 2012
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