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PMS/Perimenopause

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Dieser Beitrag ist seit dem 17.07.2003 auf dieser Webseite

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PMS in der Perimenopause – wahrscheinlich Progesteronmangel

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Nachfolgende Anfrage erreichte die Redaktion Medizinkritik am 04.06.2003:

 

Guten Tag!

 

Ich habe seit der Geburt meiner jüngsten Tochter (17 Jahre) eine hormonelle Migräne, jedes mal zur Regelblutung.

Ich bin nahezu 48 Jahre alt und habe seit ca. 3 Jahren eine starke Zunahme der Migräne-Häufigkeit - gleichzeitig verkürzte sich mein Zyklus von 31 - 33 Tagen auf 25 - 27 Tage. Leichte PMS-Symptome habe ich mehr oder weniger immer gehabt. In den letzten Wochen bin ich zusätzlich nachts mit Herzklopfen, Schwitzen und panikartigen, depressiven Gefühlen und starken Kopfschmerzen aufgewacht. Diese Situation beeinträchtigt mich sehr, ich bin sonst ein ziemlich ausgeglichener Mensch! Meine Östrogenkonzentration ist total in Ordnung. Könnte ich einen Progesteron-Mangel haben - und was kann ich tun? Der Hausarzt will mir Antidepressiva verschreiben, die ich eigentlich nicht nehmen möchte und die Frauenärztin sagt, es sei Östrogen-bedingt alles im Lot, dieses Problem komme nicht von den Hormonen (heute teilte mir ihre Kollegin auf Anfrage mit, die Progesteron-Werte seien recht niedrig, aber wir haben in der 1.Zyklushälfte gemessen, das ist vielleicht nicht so aussagekräftig). 

Können Sie mir einen Rat geben? Ich bin etwas ratlos und ziemlich verzweifelt.

 

Viele Grüße

W.

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Antwort der Redaktion am 16.7.2003:

 

Sehr geehrte Frau W:

 

Vielen Dank für Ihre Anfrage.

Die verspätete Antwort bitte ich zu entschuldigen, es gab in den letzten Wochen sehr viele Anfragen über meine Webseite.

 

Aber Sie haben völlig recht: Die Ursache Ihres PMS (prämenstruelles Syndrom) und vor allem der Verstärkung von PMS und Migräne liegt mit großer Wahrscheinlichkeit in einem Progesteronmangel.

Leider schreiben Sie nichts über möglicherweise stattgefundene Verhütungsmanipulationen nach der Geburt Ihrer jüngsten Tochter vor 17 Jahren. So kann durch Einnahme von ovulationshemmenden Verhütungshormonen (Pille) die körpereigene Progesteronproduktion so gut wie zum Erliegen kommen. Wenn kein Eisprung erfolgt, dann kann auch kein Gelbkörperhormon aus dem Follikelbläschen, welches das Ei freigegeben hätte, freigesetzt werden.

Sie schreiben auch nichts über die Anzahl Ihrer Kinder. Frauen, die drei oder sogar noch mehr Kindern das Leben geschenkt haben, haben Außerordentliches geleistet. Durch die Geburten und nachfolgende Stillzeiten schwanken die Progesteronspiegel immens: von sehr hoch während der Schwangerschaft fallen sie auf sehr tief in der Stillzeit, in der es meistens für einen Zeitraum von 6 Monaten (plus/minus) zu keinem progesteronfreisetzenden Eisprung kommt.

Messen Sie die morgendliche Aufwachtemperatur im Sinne der Natürlichen Empfängnisregelung nach Professor Rötzer? Hieraus könnte der interessierte Frauenarzt wertvolle diagnostische Schlüsse ziehen. Das „Muster“ des Temperaturanstiegs ist wichtig, die Dauer der Temperaturhochlage ebenfalls. Aus diesen beiden Merkmalen kann meistens genauso gut oder noch besser auf eine Gelbkörperschwäche geschlossen werden, als durch laborchemische Bestimmung.

Wenn die Progesteronkonzentration in der ersten Zyklushälfte gemessen wird, dann ist das nicht sehr aussagekräftig, da haben sie völlig recht. Es ist auch nach Rötzer nicht optimal, wenn der Progesteronspiegel am 21. Tag gemessen wird. Wahrscheinlich ist die Frau dann in der progesterondominierten Temperaturhochlage, aber sicher wissen Sie es erst dann, wenn Sie die Temperatur auch wirklich täglich morgens nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen messen. Dann warten Sie den siebten Tag der Hochlage ab und lassen sich an diesem Tag vom Frauenarzt Blut zur Progesteronbestimmung abnehmen. Nur so macht der Gynäkologe eine „zyklusgerechte Progesteronbestimmung“. Aber bevor die teure Laboruntersuchung stattfindet, sollte die betroffene Frau in Eigeninitiative und Eigenverantwortung die aussagekräftigere und preiswertere Temperaturmessung durchführen.

 

Über das Zusammenspiel von Progesteron und Östrogenen sollte man folgendes wissen: Über mehrere teils deutlich androgen (männlich) wirkende Zwischenstufen werden die am Ende der hormonbildenden biochemischen Reaktionen stehenden Östrogene entweder über den Weg des Progesterons oder den des DHEAs (Dehydroepiandrosteron) gebildet. Erhält der über das Progesteron gehende, etwas kürzere Weg zuwenig Progesteron-Substrat (Ausgangsstoff), dann wird der längere über DHEA gehenden Weg mit mehr androgenen Zwischenstufen stärker aktiviert. Östrogene bilden Sie also genug, Ihre Östrogenkonzentration ist „total in Ordnung“, wie Sie schreiben. Aber nichtsdestoweniger liegt ein Ungleichgewicht vor. Es ist auch noch zu beachten, dass das Stresshormon Cortisol im Progesteron sein Ausgangssubstrat hat. Erklärt sich vielleicht daher die „Depression“, dass es sich in Wirklichkeit um eine gewisse Stressunfähigkeit handelt?

Erst das Progesteron sensibilisiert die Zielzellen für die Östrogene. Somit ist der Benefit aus Ihren körpereigenen Östrogenen nicht optimal wenn Ihr Progesteron vermindert ist. Dies könnte durch naturidentisches, therapeutisches Progesteron ersetzt werden.

 

Was könnten Sie anstelle von Antidepressiva und nebenwirkungsträchtigen Wechseljahreshormonpräparaten tun?

 

  1. Literatur: „Wenn Körper und Gefühle Achterbahn spielen – Hormone natürlich ins Gleichgewicht bringen“ von Elisabeth Buchner, FVB-Verlag.

  2. Naturidentisches Progesteron in Salbenform in Absprache mit Ihrem Frauenarzt oder Naturheilkundler.

  3. Möglicherweise alle 2-3 Monate einen Reinigungsaderlass im Sinne der Heiligen Hildegard von Bingen (d.h. morgens nüchtern, an einem Tag in der Woche nach Vollmond, Vermeiden von Anstrengungen, hellem Licht und flimmernden Bildschirmen am Tag des Aderlasses, Vermeiden von schleimbildenden Nahrungs- und Genussmitteln wie Milch, Käse, Quark, Fleisch, Wurst, Schokolade, Weißbrot und Nudeln für 5 Tage nach dem Aderlass).

  4. Ein Vitamin-B6-Präparat könnte bei hormoneller Migräne hilfreich sein (1 - 2 Tbl täglich z.B. Vitamin B6 Hevert o.a. Hersteller).

  5. Cimicifuga (Traubensilberkerze) könnte ebenfalls hilfreich sein.

  6. Johanniskraut-Dragees wegen der depressiven Verstimmungen.

 

Ich würde mich freuen, vielleicht in fünf oder sechs Monaten noch mal von Ihnen zu hören und ob meine Anregungen nützlich waren oder nicht.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

M. van Treek

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Stand: 14. Dezember 2012
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