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39 J./23 J. Pille

2x abgetrieben ] [ 39 J./23 J. Pille ]

 

 

Wirklich Schwangerschaft anstreben mit 39 Jahren und nach 23 Jahren Pille?

Folgende Anfrage erreichte die Redaktion Medizinkritik am 29.9.2010

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Februar 2009 habe ich (39) nach 23-jähriger Einnahme der Pille (zuletzt Desmin 30) selbige abgesetzt, da mein Freund und ich über Nachwuchs
nachgedacht haben. Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass er doch noch nicht so weit war und es kam zu echten Stresssituationen in der Beziehung.

Wir hatten plötzlich so gut wie keinen Sex mehr, was mich natürlich ziemlich fertig  gemacht hat. Mein Selbstbewusstsein fand sich am Boden wieder, ich nahm 4 Kilo ab, verlor Haare, dafür wuchs der Damenbart und die Körperbehaarung. Völlig genervt fing ich im Dezember 2009 wieder mit der Pille an, und nach ca. 4 Monaten ging es mir besser. Mein Freund und ich besprachen das Thema noch einmal ganz in Ruhe, und wir waren uns im April 100 %ig sicher, nun doch gemeinsam ein Kind haben zu wollen. Im Mai 2010
setzte ich erneut die Pille ab, und ich dachte schon aufgrund der körperlichen Veränderung, es hätte sofort geklappt, war aber leider nicht so.
Mittlerweile ist es Ende September, und seit einigen Wochen bin ich völlig verwirrt. Meine Psyche spielt verrückt, ich weiß nicht mehr, ob ich ein Kind möchte, ich zweifle plötzlich an der Richtigkeit meiner Partnerwahl (nach 10 Jahren großer Liebe), habe das Bedürfnis frei zu sein und machen zu können, was ich will. Party, Freude, Flirten u.s.w.

Beim Gedanken an ein Kind und den Rest meines Lebens mit meinem Partner zu verbringen bekomme ich nahezu Panikattacken und Angstzustände. Ich weiß echt nicht weiter. Mit der Pille ging es mir definitiv besser, und ich würde zu gerne wissen, ob und wann sich das einpendelt, denn ich möchte nicht wieder anfangen. Hatte gehofft, schnell schwanger zu werden, damit die natürlichen weiblichen Hormone das Gefühlschaos beseitigen, aber nun habe ich Angst schwanger zu werden, weil ich mir in nichts mehr sicher bin.

Mit freundlichen Grüßen

Frau H. aus B. in Norddeutschland


(Email=Mitteilung über
www.medizinkritik.de)


Antwort


Sehr geehrte Frau H.

Vielen Dank für Ihre einerseits beeindruckende, andererseits aber auch erschütternde Darstellung.
Sie stellen keine konkrete Frage an mich. Von daher darf ich es mir erlauben, einfach mal einige Gedanken zu Ihrem Problem zu äußern.

Ich gehe mal davon aus, dass Sie  j e t z t  39 Jahre alt sind und somit im Februar 2009 ca. 37 Jahre alt gewesen sind. Ich finde, dass ist ein großer Unterschied für die Entscheidung, ob Sie noch ein Kind anstreben sollten oder nicht. Mit 37 Jahren ist die Frau noch so gerade "Mitte 30". Mit 39 Jahren ist sie schon "fast 40". Bei sehr vielen Frauen beginnt die sogenannte "Prämenopause" bereits mit Mitte/Ende 30, also 10-15 Jahre vor der wahrscheinlich letzten Blutung. Mit "Menopause" ist die "letzte echte Menstruationsblutung" im Leben einer Frau gemeint, so wie die "Menarche" die "erste Blutung" eines jungen Mädchens ist. Einer "echten Menstruationsblutung" muss ein Eisprung vorausgehen, erkennbar an der "Temperaturhochlagenphase" der Frau, die die natürliche Empfängnisregelung praktiziert. Findet eine Blutung ohne vorangegangene  Temperaturhochlage und somit auch ohne vorangegangenen Eisprung statt, spricht man von einer
"Zwischenblutung". Der vorangegangene "Zyklus" war in diesem Falle unfruchtbar, eigentlich darf man im Falle einer Zwischenblutung gar nicht von einem echten Zyklus sprechen, deswegen steht das Wort hier auch in Anführungszeichen.

Noch etwas zur Begriffsklärung: Die Menopause ist also wie die Menarche ein einzelnes Ereignis. Die Wechseljahre gehen über einen Zeitraum, der bis zu 20 Jahren dauern kann, nämlich vom Beginn der Prämenopause bis zum Ende der Postmenopause. Meistens dauern die Wechseljahre aber kürzer.
Um sich über Ihre noch vorhandene oder infolge bereits angefangener
"Prämenopause" nicht mehr vorhandene Fruchtbarkeit klar zu werden, können Sie mal zwei Monate lang jeden Morgen die Aufwachtemperatur messen und in die Tabelle des Institutes für Natürliche Empfängnisregelung eintragen.

Sie sollten Folgendes festzustellen versuchen:
    -    Ist meine Temperaturhochlage noch mindestens 10 Tage lang?
    -    Ist die Hochlage stabil und liegt sie mindestens 0,3 °C über der Basislinie
         (das ist die Temperaturlinie, die durch die höchste der vor dem Temperaturanstieg
         gemessenen sechs  Tieflagenmessungen verläuft)? Der Temperaturanstieg muss nicht "steil
         wie eine Treppenstufe" sein, er darf sich über drei Tage hinziehen.
    -    Und als Drittes: kommt es während der Temperaturhochlage nicht zu einem oder mehreren
         Temperaturabstürzen auf Basislinienniveau?

Ich fasse nochmal zusammen: Hochlage lang genug? Hochlage hoch genug? Hochlage stabil genug?
Wenn einer von diese drei Punkten nicht zutreffen sollte, haben Sie mit großer Wahrscheinlichkeit eine Gelbkörperschwäche, die für das
Nichtschwangerwerden verantwortlich ist. Die Gelbkörperschwäche ist wahrscheinlich auch verantwortlich für Ihr schlechtes Befinden nach Absetzen der Pille. Jede Frau, die die Pille nimmt, hat eine künstlich provozierte  Gelbkörperschwäche, denn der Eisprung wird ja meistens verhindert, und der Gelbkörper entsteht nach dem Eisprung, und er produziert das natürliche Progesteron der Frau. Nach 23 Jahren Pille kann es aber sein, dass Ihr Zyklus überhaupt nicht mehr funktionieren kann. Ich weiß von vielen solcher Fälle. Und dann wird die Frau erstens nicht schwanger und zweitens geht es ihr sehr schlecht.

Was soll sie nun aber tun?

Soll sie wieder die Pille nehmen. Sicherlich ist das eine Lösung, die gerne von Gynäkologen angeboten wird.

Soll sie ihre Hormonstörung mit natürlichem Progesteron behandeln und damit vielleicht schwanger werden? Das wäre zwar möglich, aber mir stellt sich die Frage, ob das wirklich gut ist. Denn eine Schwangerschaft bei Ihnen ist einerseits aufgrund des Alters eine Risikoschwangerschaft, andererseits aber auch aufgrund der sich wahrscheinlich in die Schwangerschaft hinein fortsetzenden latenten Gelbkörperschwäche. Die Gebärmutter der Frau braucht gerade in der
Schwangerschaft reichlich Progesteron, damit das Baby im Bauch ernährt werden kann und damit die Schwangerschaft bis zur Geburt aufrechterhalten werden kann. Fehlgeburten entstehen meistens durch Gelbkörperschwäche in der Frühschwangerschaft.

Also was bleibt?
Pille absetzen, naturidentisches Progesteron cremen (es ist eine Salbe!) und eine Schwangerschaft durch Natürliche Empfängnisregelung und/oder Barrieremethoden vermeiden.

Sie haben Ihre Gefühle in Bezug auf Baby und Partnerschaft sehr offen und frei geschildert. Hier würde ich gefühlsmäßig anmerken wollen: Sie sind sich nicht sicher und von daher: lieber nicht. Vielleicht haben Sie schon mal davon gehört, dass die Pille den Geruchssinn der Frau manipuliert und sie sich unter der Pille für einen "falschen" Partner entscheiden kann. Das merkt und "riecht" sie aber erst, wenn sie die Pille nicht mehr nimmt.
Umgekehrt finden die "Richtigen" zusammen, wenn die Frau die Pille nicht nimmt, beginnt die Frau dann während der Beziehung mit der Pille, dann kann sie ihren Partner plötzlich nicht mehr riechen. Erahnen Sie, was die Pharmaindustrie den Menschen mit ihren Pillenprodukten für ein falsches
Spiel vormacht?

Ich hänge Ihnen einige pdf-Dateien zum Thema "Zyklusselbstbeobachtung als Eigendiagnostik" an, ferner eine Zyklustabelle. Die bekommen Sie aber auch bei
www.iner.org, wo ich Mitglied bin. Wenn Sie an der Behandlung mit naturidentischem Progesteron interessiert sind, geben Sie einfach als
Suchwörter im Internet: "natürliches Progesteron" ein. Es eröffnen sich Ihnen hunderte von Infomöglichkeiten auf alternativ-gynäkologischen Webseiten von Heilpraktikern, Ärztinnen, Selbsthilfegruppen usw. Auch www.hormonselbsthilfe.de ist eine interessante Möglichkeit.

Ich hoffe, Ihnen einige brauchbare Hinweise gegeben zu haben.

Alles Gute und eine "weisheitsvolle" Entscheidung, die Ihrer Lebenssituation
angemessen ist, wünscht Ihnen

Manfred van Treek
Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren
Seegartenstr. 26
68519 Viernheim
Tel: 06204/77884
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Bedienungsanleitung Geratherm classic

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Stand: 14. Dezember 2012
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