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Dieser Beitrag ist seit dem 30.06.2003 auf dieser Webseite
Pille durchnehmen! -Monatsblutung unterdrücken ?
Folgende Anfrage erreichte die Redaktion Medizinkritik am 14.06.2003
Sehr geehrte Medizinkritik-Redaktion, erst einmal vielen Dank für die ausführlichen Informationen auf ihrer Internetseite.
Dennoch konnte
ich keine Antwort auf eine für mich dringende Frage finden. Meine Freundin plant
in diesem Sommer während unseres Urlaubs die Pille "durchzunehmen", also zwei
mal die monatliche Blutung zu unterdrücken, indem sie direkt mit einer neuen
Pillenpackung beginnt. Sie hat dies schon des öfteren gemacht, aber ich mache
mir Sorgen wegen der Nebenwirkungen und Folgen. Mich interessiert sehr, was dann
in ihrem Körper vorgeht.
Ich bedanke
mich schon einmal im Voraus,
mit
freundlichen Grüßen
Antwort der Redaktion vom 30.06.2003:
Sehr geehrter Herr M.
Erst einmal großes Lob dafür, dass Sie sich für mögliche Nebenwirkungen interessieren, welche Hormonmanipulationen bei Ihrer Freundin auslösen können. Das zeigt, dass Sie bereit sind, diese Thematik nicht als bloße „Frauensache“ Ihrer Freundin zu überlassen.
Wenn die Pille „durchgenommen“ wird, dann kommt es nicht zum Abfall der Gestinblutkonzentration. Gestine sind die Anteile in der Pille, die das natürliche Gelbkörperhormon imitieren. Wenn die üblichen 7 Tage Pillenpause eingelegt werden und es zum Abfall der Gestinkonzentration im Blut kommt, dann ist das der Reiz für die Gebärmutter, die unter der Pille nur unvollständig aufgebaute Gebärmutterschleimhaut „loszulassen“. Es kommt zur Pillenhormon-Entzugsblutung. Wird die Pille „durchgenommen“, dann fehlt der Hormonabfall und somit der Reiz zum Abblutenlassen.
Wie Sie es selber formulieren, wird dadurch die Blutung „unterdrückt“. Es ist aber immer problematisch, eine natürliche Körperfunktion zu unterdrücken. Nun wurden im Falle Ihrer Freundin bis jetzt aber auf jeden Fall Körperfunktionen unterdrückt, denn sie nimmt die Pille ja schon mehr oder weniger lange. Sie schreiben nicht, wie lange sie sie schon benutzt. Letztlich ist es egal, ob sie die Pille in der üblichen Weise nimmt, oder ob sie jetzt zusätzliche Manipulationsmanöver an ihrem Körper vornimmt. So wird durch die übliche Einnahme der Pille der Eisprung unterdrückt, oder es wird die Einnistung eines Embryonenkindes unterdrückt, sollte es trotz Pilleneinnahme doch zum Eisprung gekommen sein, oder es wird die Periodenblutung abgeschwächt oder verkürzt, weil sie die Gebärmutterschleimhaut unter der Pille nur ungenügend aufbaut.
Wahrscheinlich ist die hormonelle Verschiebung der Blutung im Vergleich mit der „normalen“ Einnahme der Pille mit zusätzlichen Nebenwirkungen behaftet. Ich hatte mal eine Patientin in meiner Praxis, die auch in jedem Urlaub solche Blutungsverschiebungen durchführte. Das ging einige Male „gut“, aber beim dritten oder vierten Mal bekam sie im Urlaub extreme Panikattacken und Angstzustände, so dass sie ärztliche Hilfe aufsuchen und den Urlaub abbrechen musste.
Möglicherweise werden Sie Ihre Freundin nicht überzeugen können, denn sie hat ja anscheinend bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht, weder mit der Verschiebung der Blutung noch mit der Pille überhaupt. Wenn Sie ihr helfen möchten, dann sollten Sie vielleicht mal grundsätzliche Gespräche mit ihr führen und ihr auch signalisieren, dass Sie bereit sind, Mitverantwortung zu übernehmen. Vielleicht kann Ihnen das Büchlein: „Natürliche Empfängnisregelung – Aus gutem Grund“ von Renate und Norbert Martin dabei helfen.
Wenn Ihre Freundin aber die „Verhütung“ mit der Pille „nicht aus der Hand geben will“, dann bleibt Ihnen leider nichts anderes übrig, als in liebender Geduld zu warten, bis Ihre Freundin „pillenmüde“ wird.
Alles Gute wünscht Ihnen
M. van Treek
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