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AGS (Adrenogenitales Syndrom) – zur „Therapie“ die Pille! Fehldiagnose – doch kein AGS – trotzdem wieder Pille
Folgende Anfrage erreichte die Redaktion Medizinkritik am 6.9.2004: Hallo. Ich bin 22 Jahre alt und nehme seit ca. 6 Jahren die Pille. Ich habe sie am Anfang nicht als Verhütungsmittel verschrieben bekommen. Meine erste Regelblutung bekam ich mit 9. Weil ich danach 4 Jahre lang sehr unregelmäßige Blutungen hatte, wurde sie mir zur Regulation verschrieben. Ich nahm sie also über 7 Monate und setzte sie wieder ab. Danach ging es mir auch eigentlich recht gut. Doch Mitte 19 begann meine Körperbehaarung sehr stark zu wachsen. Nach einer Hormonuntersuchung hat man mir gesagt, dass ich AGS (Adrenogenitales Syndrom) hätte. Somit verschrieb man mir die Diane 35. Diese habe ich auch 1 ½ Jahre lang genommen. Danach habe ich sie abgesetzt, da sie doch recht stark ist. Jetzt war ich beim
Endokrinologen und habe ihn gefragt, ob es nicht etwas anderes zur Behandlung
von AGS gäbe, daraufhin wurden wieder Untersuchungen gemacht und festgestellt,
dass ich gar kein AGS habe. Doch die Körperbehaarung wird stärker und meine
Regelblutung ist jetzt sehr unregelmäßig. Manchmal setzt sie 2 Monate ganz aus.
Dabei leide ich auch sehr stark an Stimmungsschwankungen und Migräne, was nicht nur mein eigenes Leben sehr stark beeinträchtigt. Vielleicht ist mein Problem banal. Aber ich bin am Verzweifeln. Hoffe, dass man mir einen Rat geben kann Grüße
Antwort der Redaktion Medizinkritik am 20.9.2004: Sehr geehrte Frau S. Vielen Dank für Ihre vertrauensvolle Anfrage. Da wir kein unmittelbares Arzt-Patienten-Verhältnis haben, mögen Sie meine folgenden Gedanken nicht als Therapie, sondern lediglich als Beratung aus meiner Erfahrung heraus verstehen, so wie es mir aus der „Entfernung“ möglich ist. Eine therapeutische Umsetzung muss in Zusammenarbeit mit Ihrem Behandler vor Ort geschehen. Sie schreiben, dass Sie am Verzweifeln sind. Auch ich könnte bei solch einer medizinischen Herangehensweise verzweifeln. Warum nur hat es den Anschein, dass Gynäkologen und Endokrinologen fast nichts anderes kennen, als künstliche Hormone anzuwenden? Vermutlich kam Ihre hormonale Dysbalance durch die sehr frühe Pubertät. Ich kann mir nicht vorstellen, warum ein AGS diagnostiziert wurde. Wurden denn alle erforderlichen Hormon- und Enzymuntersuchungen und eventuell auch genetische Untersuchungen gemacht? Es gibt ja verschiedene Formen des AGS. Beim AGS wird zuwenig Cortisol (körpereigenes „Cortison“, Stresshormon für den mittelfristigen „Stress“. Akutstress ruft Adrenalinstoß hervor) produziert, der Organismus verlangt aber das Cortisol, somit erhöht sich die Ausschüttung von ACTH (adrenocorticotropes Hormon) aus der Hypophyse, die eine weitere Ausschüttung von Cortisol provozieren will, was aber aufgrund eines (angeborenen) Enzymmangels nicht geht. Folge: es bilden sich verstärkt „männlich“ wirkende Cortisolvorstufen bzw. hormonelle Zwischenstufen des Sexualhormonstoffwechsels, mit möglichen Symptomen, so wie sie auch bei Ihnen aufgetreten sind. Diese Symptome können aber noch eine ganz andere Ursache als das AGS haben, und die sollten die Ärzte bitte in Betracht ziehen, bevor einer Patientin der Stempel AGS aufgedrückt wird und bevor mit Kunsthormonen in den Stoffwechsel eingegriffen wird. Wenn ich richtig rechne, dann haben Sie nach 4 Jahren unregelmäßigen Blutungen mit 13 Jahren die Pille für 7 Monate bekommen. Und dann seit dem 16. Lebensjahr bis jetzt 6 Jahre lang, jetzt sind Sie 22 Jahre alt. Es ist eine ganz furchtbare Angelegenheit, jungen Mädchen zur „Zyklusregulierung“ die Pille zu verordnen. Ich will Ihnen mal ein längeres Zitat eines Email-Wechsels, den ich vor einigen Tagen mit einem südtiroler Mitglied von INER (Institut für Natürliche Empfängnisregelung) hatte, einfügen:
Soweit der Briefwechsel. Es kann also „7 Jahre“ dauern, bis aus einem neun- oder zehnjährigen Mädchen mit früh eintretender Pubertät eine vom Hormonsystem her reife „Frau“ wird. Und dann ist sie immer noch erst 16 oder 17. Wenn die Antibabypille mit ihren Kunsthormonen so früh gegeben wird, dann wird die natürliche Reifung unterdrückt und die Symptome verschieben sich auf später. Diese Tatsache sollten sich alle Gynäkologen, die das hier lesen, bitte in ihre Facharzturkunde schreiben und nie wieder vergessen! Das Frauenheilbuch von Heide Fischer möchte ich Ihnen auch gerne empfehlen. Fernerhin sollten Sie sich unbedingt mit dem Hormonstoffwechsel beschäftigen. Nachfolgend ist eine Graphik eingefügt:
Und nun versuchen Sie mal, mir zu folgen: Das Progesteron stammt bei der Frau hauptsächlich aus dem Gelbkörper. 25 bis 40 mg pro Tag vom Tag des Eisprungs bis zur folgenden Menstruationsblutung. Das Progesteron ruft die Temperaturerhöhung in der zweiten Zyklusphase, der Temperaturhochlagenphase hervor. Dies machen sich die Paare zunutze, die ihre Empfängnis pillenlos und natürlich regeln. Aus der Temperaturaufzeichnung und aus der Fruchtbarkeitsschleimbeachtung können die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage ermittelt werden. Wenn beim jungen Mädchen die „gynäkologische Reife“ noch nicht erreicht ist, dann kommt es auch noch nicht bei jedem Zyklus zu einem Eisprung. Somit fehlt ihr Progesteron, um aus dem Progesteronpool den Cortisolbedarf zu decken. Gerade bei einem jungen Mädchen, das mit 9 oder 10 Jahren in der frühzeitigen Pubertät ist, muss aber ein erhöhter Stressfaktor angenommen werden. Körperlich passiert bei ihr das, wozu sie seelisch und sozial noch gar nicht in der Lage ist. Das ist bei vielen Mädchen heute nun mal leider so. Dieser Stress darf nicht unterschätzt werden. Um diesen Stress zu bewältigen braucht sie aber Cortisol. Kriegt sie aber nicht von ihrer Biochemie – also geht’s ihr schlecht. Soll man ihr nun Cortisontabletten geben? – Bloß nicht! Wie kann es nun zu der Fehldiagnose kommen? Der frühreife Körper des Mädchens verlangt das klassisch weibliche Sexualhormon Östradiol. Schauen Sie mal in die Biochemieabbildung: wenn es aus dem Cholesterin nicht über den Progesteron-Pathway entstehen kann, oder zu wenig darüber entstehen kann, weil das Stess-Cortisol das bisschen Progesteron, das bei reduzierten Eisprüngen vielleicht noch entsteht, für sich abfängt, dann kann doch das Östradiol nur noch auf dem zweiten Weg über das DHEA gebildet werden. Und damit haben Sie die vermehrten androgen (vermännlichend) wirkenden Zwischenprodukte, die Ihnen z.B. die vermehrte Körperbehaarung bescheren. Und was passiert, wenn Sie auch noch die Antibabypille nehmen? Die Pille soll Eisprünge verhindern und sie macht dies auch – meistens. Somit haben Sie noch weniger eigenes Gelbkörperhormon. Das ersetzt Ihnen auch nicht der künstliche Progesteronersatzstoff, den die schlauen Chemiker in die Pille gegeben haben und der Ihnen zusammen mit dem künstlichen Östradiol (Ethinylöstradiol) eine Schwangerschaft vorgaukelt. Aus Cyproteronacetat (Diane 35) und aus Gestoden (Minulet) macht kein Frauenkörper Cortisol gegen Stress oder natürliches Östradiol für die Weiblichkeit! Soviel zur Biochemie bzw. zur (iatropharmakologischen) Pathobiochemie. Zusammen mit Dr. Lee (dem Autor des Buches: What your Doctor may not tell you about Premenopause; Webseite: www.johnleemd.com) möchte ich raten: 1. Hormone nur dann, wenn sie nötig sind. 2. Ausschließlich naturidentische Hormone, niemals Kunsthormone. 3. Transdermale Anwendung ist der perenteralen Anwendung vorzuziehen (auf deutsch: Salbenanwendung über die Haut statt Pillen).
Eine weitere für Sie wichtige Informationsquelle könnten folgende Bücher sein: Natürliches Progesteron, Rushton/Bond, Goldmann-Verlag und Die gesunde Schilddrüse, Mary J. Shomon, Mosaik bei Goldmann. Neben dem Roten Wiesenklee hat die naturheilkundlich orientierte Gynäkologin Heide Fischer eine ganze Reihe von Teerezepturen in ihrem erstklassigen „Frauenheilbuch“. Dieses sich an die medizinischen Laien wendende Buch sollte m.E. Pflichtlektüre für alle Gynäkolgen sein, bevor diese Frauen behandeln dürften. Dann würde viel Unheil von den Frauen ferngehalten werden. Es gibt in dem „Frauenheilbuch“ auch eine Kombination von zwei Teemischungen, wobei die eine Rezeptur mehr „östrogene“ Pflanzen für die erste Zyklusphase und die andere Rezeptur mehr „progesterone“ Pflanzen für die zweite Zyklusphase enthält. In die diagnostischen Überlegungen bei Ihnen sollte auch die Schilddrüse einbezogen werden, denn eine Schilddrüsenunterfunktion beeinträchtigt auch den Sexualhormonhaushalt. Beides, sowohl die Biochemie der Sexualhormone als auch die Schilddrüse wird über die Hirnanhangdrüse gesteuert. Und ein letzter Rat: Nach Absetzen Ihrer Kunsthormonpillen unbedingt Temperaturaufzeichnungen nach den Regeln der Natürlichen Empfängnisregelung machen. Dazu können Sie sich Zykustabellen bei www.iner.org runterladen und ausdrucken. Ohne sorgfältige Zyklusaufzeichnungen ist die Diagnose unvollständig und eine effektive Therapie nicht möglich. Hoffentlich habe ich Ihnen jetzt ein bisschen Ihrer Verzweiflung nehmen können. Sie sehen, es gibt Hoffnung am Horizont. Alles Gute und mit freundlichen Grüßen M. van Treek
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