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Minipille/Ovulation

Pille für den Mann ] [ Minipille/Ovulation ]

 

Dieser Beitrag ist seit dem 05.09.2000 auf der Webseite.

Neue Minipille hemmt Ovulation

- Auch beim Stillen auf Nummer Sicher -

 

Am 26.11.1999 erschien nachfolgender Artikel in der Medizinzeitung „Medical Tribune". „Medical Tribune" ist eine von der Pharmaindustrie mittels großformatiger Werbeanzeigen gesponserte Wochenzeitung, die jeder Arzt kostenlos ins Haus geliefert bekommt.

Neben den Werbeanzeigen finden sich in „Medical Tribune" zahlreiche mehr oder weniger interessante Artikel, welche teilweise medizinwissenschaftliche Fakten, teilweise aber zusätzliche Pharmawerbung wissenschaftlich getarnt beinhalten. Um letzteres handelte es sich bei dem Artikel vom 26.11.1999. 

Kursiv und unterstrichen gedruckte Wörter oder Begriffe werden im Anschluss erklärt.

MÜNCHEN - Eine neue Minipille erweitert die Palette der verfügbaren Kontrazeptiva. Cerasette® enthält 75 µg Desogestrel, ein Gestagen der dritten Generation, aber kein Östrogen. Es eignet sich daher vor allem für solche Frauen, die östrogenhaltige Präparate nicht nehmen wollen oder dürfen. Die neue Minipille bietet sich insbesondere zur Verhütung in der Stillperiode oder bei Problemen mit der Mikropille an. Eine geeignete Alternative ist sie bei Kontraindikationen von Östrogenen, beispielsweise wegen Diabetes mellitus, gestörtem Gerinnungssystem oder Lipidstoffwechsel, erläuterte Professor Dr. Hans-Peter Zahradnik, Univ.-Frauenklinik II, Freiburg, auf einer Pressekonferenz der Firma Organon.

Mit 75 µg Desogestrel verhütet diese Pille in 97 % der Anwendungszyklen die Ovulation. Gleichzeitig verdickt und verdichtet sie den Zervikalschleim und desynchronisiert die Uterusschleimhaut, was ebenfalls zur Verhütung einer Gravidität beiträgt. Ihr Pearl-Index liegt bei 0,14. Relevante metabolische Parameter werden nur marginal beeinflusst, Qualität und Quantität der Muttermilch bleiben unverändert. Vor allem in der Anfangsphase der Einnahme muss mit amenorrhoischen Phasen oder Abnahme der Blutungstage gerechnet werden. Nach Prof. Zahradnik normalisiert sich das aber innerhalb eines Jahres wieder. Trotzdem, so der Rat des Gynäkologen, sollte man die Patientin sorgfältig beraten, insbesondere darüber, dass eine Amenorrhö nur extrem selten den Eintritt einer Schwangerschaft bedeutet. JK"

 

Unter Bezugnahme auf vorstehenden Artikel wurde von mir folgender Leserbrief an die Redaktion von „Medical Tribune" geschickt:

„Erbitte Abdruck nachfolgenden Leserbriefes: 

Der Artikel suggeriert Arzneimittelsicherheit, die aufgrund der Neuheit des Präparates „Cerasette" der Firma Organon noch gar nicht bewiesen ist und die aller ärztlichen Erfahrung nach auch nicht vorliegen kann. Taubert/Kuhl beschreiben in ihrem Buch „Kontrazeption mit Hormonen" 1995 auf Seite 260, dass die Gabe kontrazeptiver Hormone in der Stillphase immer einen Einfluss auf die Laktation hat und dass die künstlichen Sexualsteroide über die Muttermilch auch den Säugling erreichen. Es ist auch nicht nachvollziehbar, dass das „Drehen an der Hormonschraube" in der sensiblen Phase des Stillens ohne störenden Einfluss auf das psycho-neuro-immuno-endokrinologische System der Frau bleibt. Ein für die Pillennebenwirkungen sensibilisierter Arzt kann Dutzende von Fällen anführen, wo es unter der Pille beim Stillen zu Nebenwirkungen bei Mutter oder Säugling gekommen ist.. Es ist unwahrscheinlich, dass dies bei einem neuen Präparat nun ganz anders sein soll. Zur kontrazeptiven Sicherheit der Pille ist festzustellen, dass es nach Expertenschätzungen pro Jahr in Deutschland 30.000 ungewollte Schwangerschaften trotz Einnahme der Pille gibt. (Anhörung Deutscher Bundestag 14.11.1991).

Es ist bedauerlich und meines Erachtens eine Schande für den Ärztlichen Stand, dass mit viel Geld, Medien- und Werbeaufwand die Methoden der künstlichen Schwangerschaftsverhütung protegiert werden, obwohl mit der Natürlichen Empfängnisregelung nach Rötzer (NER) längst eine sichere Methode der Geburtenplanung besteht, welche im Einklang mit der Natur gelebt werden kann. Von Gynäkologen ist die Empfehlung der NER meistens nicht zu erwarten, könnten wir doch 50 % der Gynäkologenpraxen schließen, wenn den Frauen Fruchtbarkeitsbewusstsein gestattet würde und sie das Problem der Geburtenregelung innerhalb ihrer Partnerschaft lösen dürften. Im neuen Buch von Professor Rötzer „Der persönliche Zyklus der Frau - Von der Vorpubertät bis in die Wechseljahre" ist auf Seite 76f. beschrieben, dass die Unfruchtbarkeit bis zum 84. Tag ab der Geburt anhält, wenn die Bedingungen für das volle Stillen erfüllt sind. Ab dem 85. Tag kann bei täglicher Selbstbeobachtung mit Hilfe der Höhepunktsregel ein Pearl-Index von immerhin 1 erreicht werden. Die Frau kann durch die Anwendung der Regeln dieser sympto-thermalen Methode Zwischenblutungen während der Stillphase von der ersten echten Menstruationsblutung sicher unterscheiden und damit das Wiederauftreten des Monatsrhythmus erkennen. Als Mitarbeiter des Institutes für Natürliche Empfängnisregelung, kann ich interessierten Kollegen gegen einen kleinen Unkostenbeitrag Informationsmaterial zukommen lassen." Mit freundlichen Grüßen, vT   (M. van Treek, Arzt für Umweltmedizin und Naturheilkunde)

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Natürlich ist dieser Leserbrief nicht abgedruckt worden. Auf Nachfrage, warum er keine Berücksichtigung fand, wurde geantwortet, dass die Redaktion tagtäglich etliche Zuschriften erhält, und dass somit eine Selektion stattfinden müsse. Das ist einerseits zwar verständlich, andererseits aber bedauerlich, dass ein einzelner und seltener medizin- und pharmaziekritischer Brief unterdrückt wird, während Woche für Woche Dutzende Statements von Ärzten veröffentlicht werden, die über gesundheitsreformgesetz-bedingte Minderungen ihrer Besitzstände lamentieren.

Glossar

Minipille = ausschließlich ein Gestagen enthaltende Hormonverhütungspille. Muss täglich genau zur gleichen Uhrzeit genommen werden.

Ovulation = Eisprung.

Kontrazeptiva = Verhütungsmittel.

Gestagen = Gelbkörperhormonartiges Sexualhormon, welches als Bestandteil der Anti-Baby-Pille dem weiblichen Organismus eine Schwangerschaft vortäuscht.

Östrogen = Sexualhormon, welches im natürlichen Zyklus der Frau den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und die Verflüssigung des Zervixschleims bewirkt. Ein künstliches Östrogen (Ethinylestradiol) ist Bestandteil der Mikropille.

Mikropille = Hormonverhütungspille mit einem Östrogengehalt von 35 µg Ethinylestradiol oder weniger; im Gegensatz zu den früheren höher dosierten Pillen der 60er und 70er Jahre. Die Mikropille verhindert – wie die Minipille – den Eisprung nicht sicher, so dass es zur Befruchtung mit nachfolgender Frühabtreibung kommen kann, ohne dass die Mutter dies bemerkt. Gynäkologen bezeichnen die Mikropille gerne als „leichte Pille", und sie versuchen damit den Frauen zu suggerieren, dass diese im Vergleich zu den früheren höher dosierten Pillen geringere oder gar keine Nebenwirkungen hat. Da jede hormonelle Schwangerschaftsverhütung einen Eingriff in das natürliche Hormonsystem der Frau bedeutet, ist diese Beschwichtigung zum Zwecke der Vermarktung nicht korrekt.

Kontraindikationen = Gründe, warum ein bestimmtes Arzneimittel nicht genommen werden darf.

Diabetes mellitus = Zuckerkrankheit.

Gerinnungssystem = System von biochemischen Parametern, welche die Blutgerinnung im Bedarfsfall hervorrufen, z.B. bei blutenden Verletzungen. Östrogene erhöhen die Gerinnungsneigung des Blutes, wodurch es bei östrogenhaltigen Pillen zu Thrombosen und Embolien kommen kann.

Lipidstoffwechsel = Fettstoffwechsel.

Anwendungszyklen = Die Anzahl der Zyklen, über welche eine Pillenanwendung wissenschaftlich beobachtet wurde. Wenn beispielsweise 100 Frauen, die eine neue Pille experimentell ausprobieren, jeweils 12 Zyklen lang beobachtet wurden, dann kann die Wissenschaft 1200 Anwendungszyklen auswerten.

Zervikalschleim = Schleim, der in den Schleimdrüsen des Zervikalkanals, des Kanals im Gebärmutterhals (Zervix) produziert wird. In verschiedenen Phasen des natürlichen Fruchtbarkeitszyklus nimmt die Erscheinung des Zervikalschleims unterschiedliche Formen an. Die gesunde Frau, die keine Pille benutzt, kann mit Hilfe des Zervikalschleims ihre fruchtbaren und unfruchtbaren Tage ermitteln. Durch Pillen-Gestagene wird der Zervikalkanal verengt und der Zervikalschleim vermindert und verdichtet. Dadurch wird es den Spermien erschwert, in die Gebärmutterhöhle und von dort in die Eileiter zu gelangen. Dieser Wirkmechanismus ist aber nicht sicher, er kann versagen. Deswegen kann es trotz Pilleneinnahme zur Befruchtung kommen, denn auch die Eisprunghemmung ist nicht hundertprozentig.

desynchronisiert die Uterusschleimhaut = damit ist der Wirkmechanismus der Hormonpillen gemeint, welcher eintritt, wenn Eisprung und Befruchtung nicht verhindert wurden. Das befruchtete Ei bzw. das gezeugte Kind kann sich in der Gebärmutterhöhle nicht einnisten, weil durch die Desynchronisation die Gebärmutterschleimhaut nicht richtig auf die Einnistung vorbereitet ist. Es kommt zur Frühabtreibung, ohne dass die Mutter dies merkt. Dieser schwerwiegende und verwerfliche Wirkungsmechanismus wird von „Medical Tribune" durch den lapidaren Nebensatz: „..., was ebenfalls zur Verhütung einer Gravidität beiträgt" beschrieben.

Gravidität = Schwangerschaft.

Pearl-Index = Anzahl der Schwangerschaften, die bei einer bestimmten Verhütungsmethode bei 100 Frauen innerhalb eines Jahres trotzdem eintreten.

Relevante metabolische Parameter = wichtige stoffwechselbezogene Werte, die durch eine Blutuntersuchung ermittelt werden.

marginal = am Rande.

amenorrhoische Phasen = über die Dauer mehrerer Zyklen gehende Phasen ohne Monatsblutung.

Arzneimittelsicherheit = dieser gesundheitspolitische Begriff soll ein Maßstab dafür sein, inwieweit Pharmakologie, Medizin und Gesundheitspolitik in der Lage sind, die Menschen vor Arzneimittelnebenwirkungen zu schützen. Bei der Antibabypille ist die Arzneimittelsicherheit sehr gering, weil ideologische und wirtschaftliche Interessen bisher immer stark genug waren, berechtigte Kritik an ihrem Einsatz zu unterdrücken.

Laktation = Produktion von Muttermilch nach der Geburt des Kindes.

künstliche Sexualsteroide = künstliche Hormone, die in den Antibabypillen enthalten sind.

psycho-neuro-immuno-endokrinologisches System = vernetztes körperliches und körperlich-seelisches Ebenensystem. Die einzelnen Teilsysteme (Psyche, Nervensystem, Immunsystem und Hormonsystem) stehen in vielfacher gegenseitiger Beeinflussung und Abhängigkeit zueinander. Beeinträchtigung des einen Systems stört nicht nur das Teilsystem, sondern hat auch meistens negative Auswirkungen auf die anderen quervernetzten Systeme. Pilleneinnahme bedeutet Störung des endokrinologischen Systems, des Hormonsystems. Die Beeinträchtigung der Psyche durch die Pille kann wiederkehrende depressive Phasen auslösen. Die Beeinträchtigung des Nervensystems durch die Pille kann wiederkehrende Migräneanfälle auslösen. Die Beeinträchtigung des Immunsystems durch die Pille kann zu wiederkehrenden Infekten oder zu Krebs führen.

kontrazeptive Sicherheit = Sicherheit eines Verhütungsmittels, in etwa gleichbedeutend mit dem Pearl-Index.

Methoden der künstlichen Schwangerschaftsverhütung protegiert = damit ist gemeint, dass die meisten Mediziner nur über die künstlichen, medizinischen Methoden der Verhütung Bescheid wissen und nur diese empfehlen. Die NER nach Rötzer ist nur einem Bruchteil von Ärzten ein Begriff. Daran können sie nichts verdienen.

Fruchtbarkeitsbewusstsein = ein Bewusstsein, dass die Menschen brauchen, um sich von krankmachenden, künstlichen Verhütungsmethoden zu befreien und um die Regelung der Anzahl der Nachkommen in eigener Verantwortung lösen zu können.

Vorpubertät = Lebenszeit von Kindern etwa von Beginn der Grundschule an bis zum ersten Auftreten der Körperbehaarung.

Höhepunktsregel = Regel der Natürliche Familienplanung des australischen Arztes Dr. Billings, nach welcher die Wahrscheinlichkeit des Eintretens einer Schwangerschaft sehr gering ist, wenn das Paar mit dem Geschlechtsverkehr noch bis zum 4ten Tag nach dem letztmaligen Auftreten von spinnbarem und fadenziehendem Zervixschleim (Schleimhöhepunkt) wartet. Prof. Rötzer hat diese Regel bei seiner Natürlichen Empfängnisregelung modifiziert eingesetzt.

sympto-thermale Methode = Empfängnisregelung nach Rötzer mit Hilfe der Selbstbeobachtung des Zervixschleims und unter Einbeziehung der Aufwachtemperaturkurve. Die sympto-thermale Methode der Engländerin Anna Flynn weist bei der Auswertung der Zyklustabelle eine etwas andere Vorgehensweise auf. Diese Vorgehensweise, die im wesentlichen zu ähnlichen Ergebnissen, wie die von Rötzer führt, wird von den Multiplikatoren der Arbeitsgruppe NFP der Malteser-Werke gelehrt.

Zwischenblutungen = im Zyklus oder in der Stillphase auftretende Uterusblutungen, welche nicht als echte Menstruationsblutungen gedeutet werden, weil ihnen keine ausgeprägte Temperaturhochlagen vorausgehen.

erste echte Menstruationsblutung = die erste Blutung nach der Geburt eines Kindes, welcher eine Temperaturhochlage vorausgeht und welche das Wiederauftreten des normalen Fruchtbarkeitsrhythmus signalisiert.

M. van Treek, Arzt für Umweltmedizin und Naturheilkunde

 

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Stand: 14. Dezember 2012
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